Medienpädagogische Einschätzung der Edurino-Figuren

Nicht nur Eltern, sondern auch KiTa- und Hort-Erzieher:innen sind immer wieder auf der Suche nach digitalen Lernspielen für ihre Kinder. Als Medienpädagogin, die seit mehreren Jahren im Fortbildungsbereich zum Thema „Medienbildung in KiTas“ (einschließlich Horte) unterwegs ist, teste ich regelmäßig diverse Apps, die für Kinder im KiTa- und Grundschulalter einen pädagogischen Mehrwert haben. Dazu gehörten in diesem Jahr auch die verschiedenen Edurino-Figuren.

Da die thematischen Ausrichtungen der einzelnen Figuren sehr breit gefächert sind und die angegebene Altersspanne für alle Figuren bei 4–8 Jahren liegt, habe ich die Figuren (bzw. das dahinterstehende App-Angebot) daraufhin getestet, für welches Alter die jeweiligen Lernspiele tatsächlich geeignet sind und ob die vermittelten Inhalte der Lernspiele aus medienpädagogischer Sicht einen Mehrwert bringen. Es handelt sich nachfolgend demnach um eine persönliche (!) Einschätzung meinerseits (als Medienpädagogin), die vor allem zur ersten Orientierung dienen soll. Getestet wurden neun der insgesamt zwölf zur Verfügung stehenden Figuren.

Was ist Edurino?

Edurino ist eine kostenfreie App mit derzeit insgesamt 15[1] digitalen Lernspielen für Kinder von 4–8 Jahren. Die App läuft auf Android-, Amazon- sowie iOS-Geräten. Vor erstmaliger Nutzung der verschiedenen Lernspiele müssen diese innerhalb der App heruntergeladen werden. Anschließend können sie offline gespielt werden.

Zum Starten jedes Lernspiels wird die passende Edurino-Figur benötigt, die für derzeit 24,99 €[1] im Handel erhältlich ist. Jedes Lernspiel wird von einem anderen Charakter begleitet. Ein Erwachsener muss in der App einen Account (mit E-Mail-Adresse) anlegen, um anschließend ein Profil für ein Kind zu erstellen. Das angegebene Alter des Kindes hat jedoch keinen Einfluss auf den Schwierigkeitsgrad der Spiele, weshalb die Altersangabe des Herstellers nicht immer passend ist.

Alex (Die Uhr lernen)

Beim Lernspiel Alex – Die Uhr lernen erfährt das Kind viel Wissenswertes rund um's Thema Uhr, z. B. welche verschiedenen Uhren es gibt, wie eine Uhr aufgebaut ist und welche verschiedenen Funktionen die Zeiger haben. Daneben gibt es viele Minispiele, die thematisch das Thema Zeit aufgreifen.

Meine Einschätzung: Es gibt viele kleine Spiele und Aufgaben zwischendurch, die die Konzentration fördern, das Gedächtnis trainieren und das logische Denken anregen. Diese machen jüngeren Kindern sicherlich Spaß, haben aber wenig mit dem Thema „Uhr lesen lernen“ zu tun. Zudem wiederholen sich ähnliche Spiele sehr häufig. Wie eine Uhr funktioniert wird verhältnismäßig spät innerhalb des Lernspiels erklärt und auch nur kurz angerissen. Zudem wird das Uhr lesen lernen hier auch nur bedingt geschult, da lediglich die vollen Stunden und ganz zum Schluss die halben Stunden thematisiert werden. Es wird zudem an keiner Stelle genauer erklärt, wie die Uhr zu lesen ist. Dass ein Kind mithilfe dieses Spiels tatsächlich lernt, die Uhr zu lesen, muss hier infrage gestellt werden. Insgesamt sind die zu lösenden Aufgaben sehr niedrigschwellig und eignen sich eher für jüngere Kinder ab 4 Jahren.

Geeignetes Alter: ca. 4–6 Jahre
Kategorie: Bildung, Mathematik
Empfehlung: eher nein

Ari (Meine Körperteile)

Mit dem Lernspiel Ari – Meine Körperteile lernt das Kind die Namen und Funktionen verschiedener Körperteile des Menschen kennen. Gleichzeitig wird ihm spielerisch vermittelt, was Bakterien sind und welche Bedeutung eine richtige Zahn- und Körperpflege haben. 

Meine Einschätzung: Das Lernniveau ist hier sehr niedrigschwellig, sodass Ari wohl eher jüngere Kinder (4–5 Jahre) anspricht. Die verschiedenen Aufgaben wiederholen sich jedoch immer wieder in leichter Abwandlung und das Kind muss viel Geduld beim ständigen „Waschen“ und „Putzen“ aufbringen, das manchmal etwas zu lange dauert. Insgesamt ist das Lernspiel nett gestaltet, aber im Vergleich zu anderen Edurino-Figuren nicht sehr abwechslungsreich und aus medienpädagogischer Sicht nicht herausragend.

Geeignetes Alter: ca. 4–5 Jahre
Kategorie: Bildung, Körperteile
Empfehlung: eher nein

Asa (Unsere Natur)

Screenshot: Asa – Unsere Natur

Mit dem Lernspiel Asa – Unsere Natur wird dem Kind vielfältiges Wissen über die Natur, die Umwelt sowie die Tierwelt vermittelt. Spielerisch lernt es, wie man Müll richtig trennt, welches die natürlichen Lebensräume der Tiere sind (z. B. Wald, Wiese, Savanne, Wasser), welche Geräusche Tiere machen, wie Pilze funktionieren und welche Rolle Bienen spielen. Ganz nebenbei werden viele wertvolle Informationen über die verschiedenen Tiere, Pflanzen und deren Zusammenspiel mit der Natur gegeben. In kleineren Spielen zwischendurch werden zudem die Konzentration, die Hand-Auge-Koordination und das Reaktionsvermögen trainiert.

Meine Einschätzung: Hier wird in abwechslungsreichen Spielen und Aufgaben viel Wissen über Tiere, Umwelt und den Einklang der Natur vermittelt. Das vermittelte Wissen ist auch für ältere Kinder noch spannend, die spielerische Aufbereitung und der Schwierigkeitsgrad richten sich aber eher an 4- bis 6-Jährige. Die Orientierung auf der Spielkarte ist nicht ganz einfach für Kinder nachzuvollziehen und bedarf der Hilfe eines Erwachsenen. Des Weiteren „bugt“ das Spiel derzeit noch an mehreren Stellen, d. h. es hat kleine Programmfehler, die sich nur dadurch lösen lassen, dass das Spiel geschlossen und neu gestartet wird. Ggf. werden diese Fehler mit dem nächsten Update behoben.

Geeignetes Alter: ca. 4–6 Jahre
Kategorie: Bildung, Natur, Umwelt, Tiere
Empfehlung: eher ja

Leo (Meine Gefühle)

Das Lernspiel Leo – Meine Gefühle hilft Kindern spielerisch, ein Bewusstsein für verschiedene Gefühle (Trauer, Freude, Wut, Überraschung, Ekel, Angst) zu entwickeln. Dabei vermittelt es, dass alle Gefühle richtig und wichtig sind. In verschiedenen Spielen und Aufgaben lernt das Kind, Gefühle z. B. anhand von Gesichtsausdrücken (visuell) oder der Stimmlage (auditiv) zu erkennen. Im Vergleich zu anderen Edurino-Lernspielen bieten einige der Aufgaben hier verschiedene Schwierigkeitsgrade an, wenn sie erneut gespielt werden.

Meine Einschätzung: Die Aufgaben richten sich vom Schwierigkeitsgrad her an jüngere Kinder ab 4 Jahren. Um ein tieferes Verständnis für Gefühle und deren Funktionen zu entwickeln, ist es wichtig, dass das Kind genau zuhört. Viele Informationen werden beiläufig vermittelt, während das Kind kleine Aufgaben löst. Es bleibt fraglich, wie viel von den vermittelten Inhalten tatsächlich beim Kind ankommt, da sich Kinder in Spielen oft stärker auf das Lösen der Aufgaben konzentrieren als auf den begleitenden gesprochenen Text. Viele Aufgaben haben zudem nur indirekt mit Gefühlen zu tun und stärken eher andere Kompetenzen (u. a. Memory, Nachspuren).

Geeignetes Alter: ca. 4–6 Jahre
Kategorie: Bildung, Gefühle
Empfehlung: eher nein

Luka (Logisches Denken & Coding)

Mit dem Lernspiel Luka – Logisches Denken & Coding werden spielerisch und niedrigschwellig die Grundlagen des Programmierens und Codings geschult. Hierbei spielen logisches Denken und das Erkennen von Mustern ebenso eine Rolle wie das Nachvollziehen einfacher, physikalischer Gesetze.

Meine Einschätzung: Die einzelnen Aufgaben sind sehr abwechslungsreich gestaltet, das Lernspiel insgesamt grafisch toll aufbereitet. Aufgrund der doch schon etwas komplexeren Zusammenhänge eignet sich das Lernspiel gut für Kinder ab ca. 6 Jahren und vermittelt auf kreative Weise gute Programmiergrundkenntnisse.

Geeignetes Alter: ca. 6–8 Jahre
Kategorie: Bildung, Coding, Logik, Problemlösen
Empfehlung: ja

Mika Stufe 1 (Erstes Lesen & Schreiben)

Screenshot: Mika – Erstes Lesen & Schreiben (Stufe 1)

Das Lernspiel Mika – Erstes Lesen & Schreiben (Stufe 1) schult spielerisch erste Deutsch-Fähigkeiten der Kinder. Es ist in vier verschiedene Lernbereiche unterteilt: Reime erkennen, lange & kurze Wörter unterscheiden, Silben kennen & nachzeichnen, Anlaute hören und Buchstaben zuordnen. Die Lernbereiche müssen zunächst der Reihe nach durchlaufen werden, danach können bereits gelöste Aufgaben jederzeit wiederholt werden. 

Meine Einschätzung: Mika (Stufe 1) ist kreativ und abwechslungsreich gestaltet, das Lernspiel insgesamt grafisch toll aufbereitet. Es eignet sich gut für Kinder ab ca. 6 Jahren, da die Lerninhalte dem Niveau und Wissen der 1./2. Klasse entsprechen.

Geeignetes Alter: ca. 6–7 Jahre
Kategorie: Bildung, Sprache, Lesen & Schreiben
Empfehlung: eher ja

Ollie (Aufmerksamkeit und Konzentration)

Das Lernspiel Ollie – Aufmerksamkeit und Konzentration schult mit verschiedenen Spielen die Konzentrationsfähigkeit und das Geschick von Kindern. Das Kind muss den Aufgabenbeschreibungen gut zuhören. Darüber hinaus wird die Hand-Auge-Koordination geschult.

Meine Einschätzung: Die Aufgaben wiederholen sich hier immer wieder und können häufig auch durch reines Ausprobieren geschafft werden. Insgesamt sind die verschiedenen Spiele hier nicht so abwechslungsreich wie bei anderen Edurino-Figuren. Das Lernspiel Ollie ist zudem höchstens für jüngere Kinder (4–5 Jahre) geeignet, da die meisten Aufgaben sehr einfach sind und ältere Kinder sich hier schnell unterfordert fühlen könnten.

Geeignetes Alter: ca. 4–5 Jahre
Kategorie: Bildung, Aufmerksamkeit, Konzentration
Empfehlung: eher nein

Robin Stufe 1 (Erste Zahlen & Mengen)

Screenshot: Robin – Erste Zahlen & Mengen (Stufe 1)

Das Lernspiel Robin – Erste Zahlen & Mengen (Stufe 1) schult spielerisch erste mathematische Fähigkeiten der Kinder. In den insgesamt fünf Lernbereichen geht es um das Zahlenverständnis bis 10, das Mengenbewusstsein sowie das Erkennen und Zuordnen von geometrischen Formen. Bewusstes Rechnen steht hier noch nicht im Fokus, stattdessen liegt der Schwerpunkt auf Zählen und Erfassen. Die Lernbereiche müssen zunächst der Reihe nach durchlaufen werden, danach können bereits gelöste Aufgaben jederzeit wiederholt werden.

Meine Einschätzung: Das Lernspiel ist gut für Vorschulkinder geeignet, kann jedoch mit etwas Unterstützung bereits von Kindern ab 4 Jahren gespielt werden. Es ist insgesamt grafisch toll aufbereitet und ruhig gestaltet. Kinder werden hier nicht mit Reizen überfordert oder zeitlich unter Druck gesetzt. Die vermittelten mathematischen Fähigkeiten bilden eine gute Grundlage für den Schuleinstieg.

Geeignetes Alter: ca. 4–6 Jahre
Kategorie: Bildung, Mathematik
Empfehlung: ja

Yuki (Kreativität & Malen)

Das Lernspiel Yuki – Kreativität & Malen vermittelt niedrigschwellig die Farbenlehre und bietet dem Kind viele Möglichkeiten, Figuren bunt auszumalen und mitzugestalten.

Meine Einschätzung: Yuki ist in seiner gesamten Anwendung eher für jüngere Kinder (4–5 Jahre) geeignet, da es für ältere Kinder zu einfach ist und schnell langweilig werden könnte. Die Mal- und Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb des Lernspiels bewegen sich in einem streng vorgegebenen Rahmen. Mit „Kreativität freien Raum lassen“ und „Fantasie ausleben“ hat das Lernspiel meines Erachtens wenig zu tun, da jede Mal-App mehr Freiraum zulässt. Auch das Experimentieren mit verschiedenen Maltechniken ist aus pädagogischer Sicht mit echten Farben auf einem Blatt Papier deutlich sinnvoller. Die App macht jüngeren Kindern sicher dennoch Spaß, ist aber aus medienpädagogischer Sicht nicht herausragend.

Geeignetes Alter: ca. 4–5 Jahre
Kategorie: Bildung, Kreativität, Malen
Empfehlung: eher nein


[1] Stand: Dezember 2024. 

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